OK43.aktuell – August 2007

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt ja Momente, in denen das sprichwörtliche Glas eher halb leer denn halb voll zu sein scheint. In der jetzigen Situation versuchen sich viele Bürgermedienvertreter in NRW, insbesondere die Verantwortlichen Offener Kanäle, an genau dieser Standortbestimmung.

Nachdem ich Sie im letzten Newsletter ausführlich über die Veröffentlichung der so genannten Volpers-Studie informiert hatte, will ich heute versuchen, die nun folgenden Konsequenzen zu beschreiben. Auch möchte ich Sie bereits jetzt auf unsere Produzentenversammlung am 18.09.2007 hinwiesen, innerhalb derer wir gemeinsam mit Ihnen unsere Vorstellungen über die zukünftige Ausrichtung des OK43 austauschen wollen.

Bodo Köpper
Leiter Offener Kanal Essen

Erprobung: Umbau oder Abriss?

Doch der Reihe nach… Vor dem Hintergrund der Veröffentlichung der viel zitierten Studie von Prof. Volpers hatte die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) bereits Anfang des Jahres einen Teil der durch die Offenen Kanäle beantragten Fördermittel 2007 zurückgestellt. Die Auszahlung der Gelder wurde für alle OKs an die Auflage geknüpft, neue Konzepte einzureichen, welche die Ausrichtung auf einen Ausbildungs- und Erprobungskanal beinhalten.

Der Einbehalt dieser Fördergelder hätte im Laufe des Jahres für den Offenen Kanal Essen unweigerlich zu Stelleneinsparungen geführt, die ihm mittelfristig die Überlebenschance genommen hätten. Doch nicht nur dieser Umstand – man könnte auch den Begriff Druckmittel verwenden – sollte eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Evaluation vorantreiben. Denn die Forschungsergebnissen allein in den Kontext der Vergabe von Fördermitteln zu rücken, könnte eine tatsächliche inhaltliche Auseinandersetzung vereiteln. Qualitativ bietet die Studie unserer Auffassung nach eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten, die nun fortgeführt werden müssen. Die Verantwortlichen aller OKs in NRW stimmen daher überein, sich der Diskussion nicht zu verwehren, sondern sie vielmehr zu nutzen, das Profil der Bürgermedieneinrichtungen zu präzisieren. Nur dann werden diese zukunftsfähig sein.

Während Andreas Ruff und ich im Mai dieses Jahres die Möglichkeit hatten, unser Grobkonzept für 2008 der Verwaltung in Düsseldorf zu präsentieren, führten wir ebenso den ganzen Frühsommer über eine Reihe flankierender Gespräche mit politischen Vertretern aller Parteien. Dabei hatten wir ausreichend Gelegenheit unsere Erfolge und Nöte darzustellen. Die Rückmeldung aller Gesprächspartner bezeugte nicht nur Interesse, sie war ebenso positiv und bestätigend. Gleichwohl bleibt es unabdingbar, dass sich die Offenen Kanäle der kommenden Diskussion im Fahrwasser der Einschränkungen des Bürgerfunks und weiterer Änderungen des Landesmediengesetzes stellen. Daneben gilt es sich im Kontext der Digitalisierung in einer zunehmend lauter werdenden Debatte über Verbreitungsgebiete und Verbreitungsplattformen zu positionieren. Zumindest mittelfristig könnte der lokale zu einem regionalen Raum erweitert werden, doch auch die Bündelung aller Bürgermedieneinrichtungen auf einem landesweiten Kanal ist in der Überlegung. Dennoch: Bislang gibt es nur wenig Feedback, geschweige denn Richtlinien aus der LfM und natürlich ist selbst die Gerüchteküche im Sommer kalt.

Daher zurück zur inhaltlichen Ausrichtung: Wie ich bereits in unserem letzten Newsletter festgehalten hatte, spricht sich das Essener Modell für die Beibehaltung partizipativer Angebote an alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt aus. Die Entwicklung zu einem Ausbildungs- und Erprobungskanal bedeutet für uns eine Neuausrichtung auf der Basis vorhandener Strukturen und Stärken. Auch Volpers bestätigt, dass diese bei uns in der aktiven Teilhabe und dem Qualifizierungsinteresse unserer Nutzer liegen. OK43 stellt seit der Einführung des Redaktionsgruppenmodells sein eigentliches TV-Programm in das Zentrum seiner Entwicklung. Hierzu haben wir gemeinsam mit Nutzern und Auszubildenden innerhalb der letzten Jahre verschiedenste Magazinformen und Produktionsmodelle praxisnah erprobt. Fast alle wurden von den Zuschauern positiv angenommen. Zukünftig noch prägnanter sollen daher die Ergebnisse der Zusammenführung des gesamten Spektrums unterschiedlichster Alters- und Gesellschaftsgruppen unser Programm kennzeichnen.

Die Unterstützung des Offenen Kanals durch die Kommune ist in Essen gut ausgeprägt. Diese Ausgangslage setzt das Agieren auf lokaler Ebene und das Publizieren von lokalen Kontexten voraus. 2010 ist das Ruhrgebiet die Kulturhauptstadt Europas. Bereits der Weg dorthin verspricht nicht nur für die Kulturschaffenden spannend zu werden. Die Idee wird erst durch die Beteiligung vieler Menschen lebendig.

Als lokale, nicht-kommerzielle Programmplattform will OK43 diese Ausgangslage zum Anlass nehmen, neue Sendeformen und Redaktionsstrukturen zu entwickeln und einen Programmauftrag zu erfüllen. Hierzu soll ab 2008 ein täglich wechselndes Programm produziert werden, das von fünf Redaktionen, welche Schwerpunktthemen besetzen, beliefert werden soll. Die verbindliche Mitarbeit in jenen offenen Redaktionen, Zuschauerorientierung und Abbildung des vielfältigen urbanen Lebens sollen Voraussetzung für die Veröffentlichung sein.

Stärker als bisher soll der primäre Auftrag, den Offene Kanäle zu leisten haben, nämlich die Entwicklung von TV-Formaten bzw. die Produktion von Beiträgen in den Vordergrund treten. Andere Servicefunktionen wie z.B. die Anmietung von Video-Equipment oder das Angebot von Seminaren und Kursen sollen hieraus abgeleitet werden. Auch soll der Begriff der Partizipation insofern erweitert werden, dass er ein Wissen um die Fernsehtechnik für die Verbreitung von Themen nicht zwingend voraussetzt. In der Funktion als Ausbildungs- und Praktikumsbetrieb stellt OK43 einen Pool von technisch und journalistisch qualifizierten Menschen bereit, die Bürger bei der Produktion unterstützen können.

Letztlich sollen in dieses Gesamtmodell insbesondere Schülerproduktionen integriert werden. Im Rahmen des Schwerpunktprofils „Schule“ konnte OK43 in den vergangenen Jahren stabile Strukturen aufbauen, die  Schulungsmaterialien, einen Pool qualifizierter Medientrainer, ein eigenes Schul-TV-Format „fifteen“ und ein dichtesNetzwerk zu Schulen, Jugendzentren, freien Trägern und Verwaltung umfassen.

Die hier grob skizzierten Überlegungen sollen dazu beitragen, das Profil des Bürgerfernsehens in Essen weiter zu schärfen. Unweigerlich wird hiermit – trotz der Ausweitung auf fünf Sendeabende – eine Verkürzung der täglichen Erstsendezeiten einhergehen. Gleichzeitig soll über die digitale Sendesteuerung die Wiederholfrequenz erweitert, das Programmschema vereinfacht, der Liveanteil erhöht werden. Kurzum: Alle jetzigen und zukünftigen Produzenten werden angehalten sein in den Redaktionen enger zusammenzuarbeiten. Mediale Produktion unter Beteiligung der Bevölkerung funktioniert nur als Teamarbeit, die Einzelkämpfertum und Selbstdarstellung ausschließt und  Programmstrukturen akzeptiert.

Wie dieses Modell genauer aussehen soll, möchten wir auch in Abstimmung mit allen Nutzern definieren. Hierzu laden wir Sie für den 18.09.2007, 19.00 Uhr, zu einem offenen Forum ein. Dabei soll es darum gehen, unsere Vorüberlegungen zu erläutern und Ihre Anregungen und Vorschläge in unseren Planungen zu berücksichtigen. Ich freue mich auf Ihre Teilnahme und Mitwirkung in dieser sicherlich für den Offenen Kanal Essen einschneidenden Entwicklungsphase. Sollten Sie den Termin nicht persönlich wahrnehmen können, so können Sie mir Ihre  Überlegungen auch per Mail oder im Rahmen eines persönlichen Gesprächs mitteilen.

Ausbildung

Saadeddin BadrRoman RieweDass wir optimistisch an die Aufgaben der kommenden Jahre gehen, belegt die erneute Bereitstellung von zwei Ausbildungsplätzen im Bereich Mediengestaltung Bild und Ton. Für alle regelmäßigen OK-Besucher sicherlich keine Unbekannten, haben unsere bisherigen Jahrespraktikanten Roman Riewe und Saadeddin Badr zum 01. August ihre Ausbildung im OK43 offiziell begonnen.

Beide betreuten in den vergangenen Monaten bereits tatkräftig die Magazine „Passiert“ und „Essen im-takt!“ und werden nun auch in den kommenden Jahren unser Team kompetent verstärken.

Benedikt SeifertTim van VelsenSchon im Juni ausgeschieden sind bzw. ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben Benedikt Seifert und Tim van Velsen.

Beiden möchte ich noch einmal an dieser Stelle für ihre sehr gute und engagierte Mitarbeit danken und ihnen für ihren nun folgenden Berufsweg alles Gute wünschen.

Verortung

Auch der geplante Umzug in den Malakowturm ist seit Jahren wegen diverser Aufschübe ein leidiges Thema. Zwischenzeitlich waren für die dem OK43 zugesagten Räumlichkeiten gar andere Mieter im Gespräch. Diese Irritationen konnten mittlerweile in Gesprächen mit Vertretern des Kulturbüros geklärt werden. Augenblicklich wird nun festgestellt, wann der Turm endlich bezugsfertig ist. Wir hoffen daher, die oben beschriebenen Umstrukturierungsmaßnahmen zu Beginn des kommenden Jahres mit dem Einzug verknüpfen zu können.

Redaktion / Kontakt

Bodo Köpper
Offener Kanal Essen
Wilhelm-Nieswandt-Allee 104
45326 Essen
E-Mail: koepper@ok43.de

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