OK43.aktuell – April 2007
Liebe Leserin, lieber Leser,
auch wenn das Erscheinen unseres Newsletters immer mal wieder auf sich warten lässt, bedeutet das keinesfalls, dassb ei uns nichts mehr passiert…
Meiner Informationspflicht als Geschäftsführer des Offenen Kanal Essen möchte ich nun gerne nachkommen und bei dieser Gelegenheit auch auf die Rubrik „Aktuelles“ auf unserer Homepage hinweisen. Dort können Sie seit Anfang des Jahres zusätzlich aktuelle Kurznachrichten rund um den OK43 nachlesen. Ausführlicher und auf den nächsten zwei Seiten exklusiv geht es jedoch heute um unser „morgen“…
Bodo Köpper
Leiter Offener Kanal Essen
Evaluation Bürgerfernsehen
Da liegt sie nun auf dem Tisch… die so genannte Volpers-Studie für das Bürgerfernsehen in NRW. Noch als Vorabexemplar, in dem im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) Leistungen und Funktionen des Bürgerfer nsehens in Nordrhein-Westfalen zusammen getragen und evaluiert wurden.
Kern der Untersuchung ist neben der Erfassung der Handlungs- und Organisationstrukturen der Arbeitsgemeinschaften die Auseinandersetzung mit dem Sendeoutput. Im Sinne einer Beurteilung der programmlichen Leistung wurden die Themen (wie Aktualität, lokaler Bezug), die Beitragsformen sowie die Professionalität (z. B. technische Qualität bzw. Mängel, Sprache, journalistische Standards) der OK-Sendungen in den Blick genommen und ausgewertet. Dabei interessierte besonders die Frage, wer die Möglichkeit der partizipativen Fernseharbeit wahrnimmt, aus welcher Motivation heraus die Produzenten Beiträge erstellen und inwieweit sie an Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen.
Die auf den Offenen Kanal Essen bezogenen Ergebnisse sind auf den ersten Blick mehr als zufriedenstellend. Das Programmangebot zeige „eine breite und bunte Palette, die Anzahl der Magazinsendungen sei im Landesvergleich überdurchschnittlich, der OK43-Internetauftritt wird als „sehr gut“ bewertet. Eine motivierte und qualfizierungswillige Nutzerschaft ebenso wie ein engagierter Trägerverein runden das insgesamt positive Essener Erscheinungsbild ab.
Wenn wir hier der Fairness halber anmerken, dass die Analyse auch vielen anderen Standorten Erfolge attestiert, so läge der Schluss nahe, das Modell Offener Kanal habe sich bewährt. Weit gefehlt, denn die Studie stellt im allgemeinen Defizite des Bürgerfernsehens in NRW fest. Das Entwicklungspotential sei als schwach einzustufen, die Nachfrage gering, die Attraktivität leide mangels unzureichender Verbreitung, hinter medialer Entwicklung (Stichwort Konvergenz) hinkten die Einrichtungen her. Mögliche Wege zur Veränderung sieht der Autor der Studie, Prof. Volpers, in der Entwicklung der Offenen Kanäle hin zu Aus- und Fortbildungskanälen: „Vor dem Hintergrund der tatsächlichen Nutzerstrukturen, insbesondere an den Hochschulstandorten, erscheint eine Umstrukturierung etlicher Offener Kanäle in Ausbildungs- und Erprobungskanäle als eine prüfungswerte Alternative“.
Erste Reaktionen machen deutlich, dass sich bei uns nun das wiederholt, was bereits die Bürgerfunker im Nachgang „ihrer“ Studie erleben mussten. Erfolge treten aufgrund der ausführlichen Beschreibung der Defizite in den Hintergrund. Die Untersuchung wird dazu genutzt werden, über eine Veränderung der Förderung und eine Umfunktionierung der Einrichtungen zu Ausbildungsplattformen den klassischen Offenen Kanälen den Boden zu entziehen.
Hintergrund ist auch hier ein Qualitätsanspruch an die bürgermedialen Produkte, der sich bislang aus dem Landesmediengesetz nicht ableiten lässt. Neben der rein quantitativen Erhebung in Bezug auf Ausschöpfungsquoten, Magazinanteil, Raumbezug und Sendevolumen verknüpft die Untersuchung diese nämlich mit einer qualitativen Bewertung, die sich über die Vergabe von Schulnoten ausdrückt. Dabei werden Maßstäbe angelegt, denen selbst die „großen“ Sender nicht gerecht werden könnten, wenn z.B. das „Abfilmen“ von Ereignissen wie einem Gottesdienst als schlicht und journalistisch anspruchslos eingestuft wird.
Gut oder schlecht mag vielfach natürlich Geschmackssache sein, nur wird diesem Umstand nicht Rechnung getragen, denn die Studie enthält keinerlei Aussagen darüber, wie das Programm von den Zuschauern aufgenommen wird. Deren Kritik oder Zufriedenheit wurde nicht untersucht. Überspitzt formuliert heißt das: nicht nur den Produzenten wird vorgeschrieben, welche Themen sie bearbeiten sollen, auch den Rezipienten wird unterstellt, was sie sehen wollen – Magazine. Das mag in punkto Programmplanung für Hauptsendezeiten sogar sinnvoll sein, allein vergisst dieser Ansatz in seiner Ausschließlichkeit den Kern der partizipativen Medienarbeit, nämlich den der Zugangsoffenheit.
Sie setzt bei den Zuschauern, den Machern und den Mitarbeitern des OK43 Toleranz für alternative Sendeformen, subjektive und manchmal skurrile Inhalte und eine zuweilen epische Ausführlichkeit voraus. Auch wenn es grundsätzlich richtig ist, technische und redaktionelle Mindestanforderungen zu beschreiben und Orientierungshilfen wie ein Sendeschema einzurichten, so kann ein Zuviel an Professionalisierung den Verlust der Unverwechselbarkeit bedeuten. Die von Volpers häufig verwendete Begrifflichkeit der lokalpublizistischen Ergänzung, welche die OKs leisten sollen, sollte daher sehr bedacht und ressourcenorientiert mit Inhalt gefüllt werden. Denn Offene Kanäle können zugleich lokale Themen aufgreifen und trotzdem von ihrer Andersartigkeit bzw. der Authentizität Ihrer Produzenten profitieren. Und dann tatsächlich erfolgreich eine Nische besetzen bzw. Zuschaueranspruch befriedigen. Beispiele gibt es im Programm des OK43 schon heute: Sei es „Powerplay“, „Literaturkaffee“ oder das Stadtmagazin „Passiert“. Vom „klassischen Nutzer“ bis zur Ausbildungsredaktion zeigen diese Formate, dass es den einzig richtigen Weg, wie ihn Professor Volpers mit dem Konstrukt Ausbildungs- und Erprobungskanal vorschlägt, nicht gibt.
Nur in Ansätzen berücksichtigt seine Studie andere, gleichermaßen relevante Bereiche unserer Einrichtung wie z. B. die Projektarbeit mit Jugendlichen. Zwar werden die guten Ergebnisse des (mittlerweile nicht mehr geförderten) Schwerpunktes „OK macht Schule“ resümiert. Andere erfolgreiche Projekte wie „Lebensverläufe“ oder die Zusammenarbeit mit dem Integrationsbeirat werden nicht erwähnt. OK43 ist einer der wenigen verbliebenen Medienkompetenzanbieter vor Ort und geschätzter, weil medienpraktisch agierender Kooperationspartner für Vereine, Verbände, Schulen und Jugendeinrichtungen. Nicht nur für diese Zielgruppen gibt es zwar zunehmend Online-Angebote im Netz, aber selten offene Service- und Beratungsstellen, die praxisnah unterstützen.
Für Vorstand und Geschäftsführung des Offenen Kanal Essen hat in der nun begonnenen Debatte die Beibehaltung partizipativer Angebote für alle Essener Bürgerinnen und Bürger auf der jetzigen Verbreitungsplattform Priorität. In dieses Gesamtkonstrukt könnte der Bereich Ausbildungs- und Erprobungskanal eingebunden werden. Voraussetzung hierfür ist nicht nur eine verbindliche Zusammenarbeit mit Bildungsträgern vor Ort. Ebenso müssen seitens der LfM das Anforderungsprofil und die damit verknüpften Förderrichtlinien detaillierter beschrieben werden. Denn – wie oben bereits erwähnt – es wird in den kommenden Wochen nicht allein eine mögliche Neuausrichtung diskutiert werden. Einher geht damit auch die Umstellung der Fördersystematik. Eine verlässliche Haushaltsplanung ist schon jetzt in 2007 erschwert. Innerhalb der nächsten Wochen wird es weitere Gespräche mit den Entscheidungsträgern geben, parallel verständigen sich die Offene Kanäle auf Landesebene um eine gemeinsame Stellungnahme. Im Vorfeld einer noch nicht terminierten Anhörung intensiviert der Trägerverein in Essen bereits jetzt den Dialog mit den politischen Vertretern. Im Jahresverlauf werden wir Sie nicht allein über diesen Newsletter auf dem Laufenden halten, insbesondere die Vereinsmitglieder werden zu geg ebener Zeit im Rahmen einer Versammlung Gelegenheit zur Stellungnahme haben.
OK43 wird demnächst gesteuert
Lange haben wir auf eine digitale Sendesteuerung warten müssen, nachdem sie vor ca. zwei Jahren von der Medienkommission bewilligt wurde. Nun, Mitte April, wird sie endgültig eingerichtet werden und zukünftig – nach einem entsprechenden Testbetrieb – die Programmbeiträge im OK43 rechnergesteuert abspielen. Vorbei die Zeiten der Sendebanderstellung, nun gilt es eine Vielzahl interner Arbeitsabläufe neu zu definieren. Doch auch für die Zuschauer wird die technische Neuerung sichtbare Auswirkung haben, da Programmflächen zeitlich umgestaltet und gar ausgeweitet werden können. Über die geplanten Neuerungen werden wir Sie demnächst ausführlicher informieren.
Neues Musikmagazin demnächst auf OK43!
An alle Newcomer, Talente oder auch bekanntere Künstler aus Essen und Umgebung sowie an deren Fans richtet sich die Musik-Sendung „Essen im-takt!“ Neben regelmäßigen Rubriken wie Talk mit Studio-Gästen gehören natürlich auch Beiträge zum Thema Musik in und aus Essen ebenso dazu wie z. B. Berichte über Musik-Studios der Region. Außerdem gehören Hinweise auf zukünftige Konzerte sowie Einblicke in die Musikproduktion zu den wiederkehrenden Elementen des 30-minütigen Magazins. Einmal monatlich freitags wird es erstmalig am 20. April 2007 um 20:45 Uhr im Programm des OK43 ausgestrahlt werden.
OK43 – Die Macher
Wer sind eigentlich die Menschen hinter den TV-Beiträgen des Bürgerfernsehsenders OK43? In loser Folge stellen wir Ihnen seit Mitte März in unserem laufenden Programm „neue Gesichter“ und „Wiederholungstäter“ des Offenen Kanal Essen vor. Sehr unterhaltsam berichten Heike Klaes & Ralf Kowalewski (Literaturkaffee), Dieter Ammon (Music-Cult-Ruhr) und viele andere von ihren Anfängen im Essener Bürgerfernsehsender und was sie ohne uns machen würden.
Redaktion / Kontakt
Bodo Köpper
Offener Kanal Essen
Wilhelm-Nieswandt-Allee 104
45326 Essen
E-Mail: koepper@ok43.de